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Jahrbuch

der

J

Königlich IMvnssisclion Geologischen Lamlesaiistalt und Bergakademie

zu

Berlin

fiir das Jahr

11104.

Berlin.

Im Vertrieb bei der Königl. Geologischen Landeeanstalt und Bergakademie Berlin N. 4, Invalidenstrasso 44.

v1907,

Inhalt.

Seite

Die devonischen Eruptivgesteine und Tuffe bei Harzburg und ihre Um¬ wandlung im Koniakthof des Brockenmussivs. Von Herrn 0. H. Erd-

MASNSDÖBFFKit in Berlin. Hierzu Tafel 1) . . 1

Die Jurabildungen der Wesorkotto bei Lübbecke und PrcuJJisch- Oldendorf.

Von Herrn Johannes Schi.ünck in Berlin. (Hierzu Tafel '2; ... 75

Das ältoie Diluvium im mittleren Saaletale Von Herrn K. Wahner in

Zwätzen. (Hierzu Tafel 8) . 95

Neue Beobachtungen aus dem Küdersdorfer Muschelkalk und Diluvium.

Von Herrn 0. Raab in Berlin. (Hierzu Tafel 4 and 5) . 205

Orthopteru und Ncuroptera aus dein Oberon Lias von ßrannsehweig. N on

Herrn Arnou» Born in Berlin. (Hierzu Tafel 6 und 7) .... 218

Iber einige Uohrcrgebnis?e und ein neues, pflanzen führendes Interglazial aus der Gegend von Elmshorn. Von Herrn C. Gaoki, in Berlin.

(Hierzu Tafel 8—11} . 246

Datheosaurus macrourus nov. gen nov. sp. aus dem Kotliegenden von Neurode. Von Herrn Henry Sohrokoku in Berlin. (Hierzu Tafel 12

und 13) . 282

I ber Verbreitung und Transgrossion des Septarientones .Rupeltones) im Gebiet der mittleren Elbe. Von Herrn 0. v. Linstow in Berlin. (Mit

2 Profilen im Text und Tafel 14) . 295

I ber einen vorgeschichtlichen Bohlweg im Wittmoor (Holstein) und seine Altersheziehungen zum Moorprolil. Von den Herren W. Worte und

J. Srou.im in Berlin . 323

Hvaena aus mät kischem Diluvium. N on Herrn Henry Schkokiyer in Berlin 336 Zur Frage nach den Ur-Materiulien der Petrolea. Von Herrn II. Potonie

in Berlin ... 342

Uber Endmoränen im westlichen Samlande. Von Herrn Paui. Gr stak

Krausk in Ebörswalde. (Hierzu Tafel 15) . 369

Beiträge zur Geologie der Kupfererzgebiete in Deutsch Südwest - Afrika.

Von Herrn F. W. Von in Johannesburg. (Mit 19 geologischen Karten¬ skizzen und Profilen im Text sowie mit einer Übersichtskarte, Taf. 16) 384

Das Wasser und seine Sedimente im Flutgebieto der Elbe. Von Herrn

F. Schi cht in Berlin . 431

Petrograp lösche Mitteilungen aus dem Harz. 1. l'ber Bronzitfels im Ra¬ dautal. Von Herrn 0. H. Erdmannsdöuftkr in Berlin . 466

Inluilt.

Srito

I ber Glazialschram incti auf der Culmgrauwacko bei Flechtingen. Von

Herrn Fritz Wikgkks in Berlin . 172

Die SchlingenbilduDg doä Fuldatales bei Guxhagen. Von Herrn Otto

Laso in Hannover . 177

Die Fauna der Schichten mit Harpoceras dispausnm Lyc. vom Gallberg bei Salzgitter. Von Herrn Wilhki.m Wurstohi' in Berlin (Hierzu

Tafel 17-20; . . 488

Das Alter der fosrillceren Tertiänddagerungon am Rhein. Briefliche Mit¬ teilung. Von Herrn A. v. Ruin ach in Frankfurt a. M . 52G

Amtlicher Theil.

Bericht über die wissenschaftlichen Ergebnisse der geologischen Aufnahmen

in den Jahren 1903 und 1904 . 531

Ergebnisse von Bohrungen. II. Gradabteilung 21 37. Von Herrn K. Kr.it.-

hack in Berlin . 847

Louis Bi-uxhaurkx y . 1017

Bericht über die Tätigkeit der Königlichen Geologischen Landesan>tnlt

im Jahre 1904 1030

Arbeitsplan der Königlichen Geologischen Landesanstalt für das Jahr 1905 1047

Personal- Bestand der Königlich Preußischen Geologischen Landesanstalt

am 31. Dezember 1901 1059

Sach-Register . 1073

Orts- Register . 1100

Druckfehler und Berichtigungen . 1112

Die devonischen Eruptivgesteine und Tutte bei Harzlmrg und ihre LTmvnndlung im KontaktJiof des Brockenniassivs.

Von Herrn 0. H. ErdmannsdörfFer in Berlin.

(Hierzu Tafel 1.)

Die Beobachtungen, die ich in den folgenden Zeilen nieder¬ gelegt habe, wurden veranlaßt durch meine Aufnahmearbeiten im Kontakthof des Brockenniassivs, speziell auf dem Blatte Harzburg. Da die mikroskopische Untersuchung der Kontaktgesteine, ins¬ besondere die der umgewandelten Tuffe und Eruptivgesteine, eine Anzahl von Tatsachen kennen lehrte, die abweicheu von den gewöhnlichen Ansichten über die Umwandlung derartiger Gesteine, wie sie gerade vom Harze ausgegangen sind, so ist eine genauere Darstellung dieser Verhältnisse und ein kritischer Vergleich der¬ selben mit andern, analogen Gebieten nicht ohne Interesse.

I. Geologische Einleitung.

Das Übersichtskärtchen auf der nächsten Seite zeigt im Maßstabe l:f)0000 den Umfang und die allgemeinen geologischen Verhältnisse unseres Gebiets: es umfaßt die flachen Rücken des Breitenberges und Sehmalenberges bei Harzburg und geht vom Spitzenberg einerseits bis zum Nordrand des Gebirges anderer¬ seits, vom Bleichetal im W. bis au die Grenze des Harzburger Gabbromassivs im O. Die Darstellung beruht auf meinen im

1

Jahrbuch 1904.

2

0. II. EnnMANNSDÖRFPBK, Die devonischen

Sommer 1902 ausgeführten Aufnahmen, die ich größtenteils auf Grund der Braunschweigischen Forstkarten (1 : 10000) bewirkt habe 1).

Die ältere Harzliteratur bringt meist nur einzelne und dürftige Angaben über unser Gebiet2): die frühste dürfte sich bei von

Granit

e m

SnUro.

derGegend

südwestlich

von

Harzburg.

I : 60 000

Trebra8) finden, der 1785 ein Gestein vom Wildenplatz (= Wilden¬ hagen der heutigen Karten) beschreibt, als »eine ... in den übrigen Harzbergen nicht weiter vorkommende Gesteinsart. die ziemlich schwer und fest ist, jedoch mit dem Stahl nur wenig Feuer gibt, oliven¬ grün von Farbe, dem Ansehen nach talkartig, mit kleinen, weißen

') Die ausgedehnten Torfmassen des Riefen bruches sind hier weggelassen. An diesen Stellen beruht daher die Darstellung des Übersichtskärtchens nicht auf direkter Beobachtung. Die definitive Darstellung ist der Spezial karte, 1:25000 Vorbehalten.

2) Die Spitzenberger Magneleiscngruben konnte ich aus besonderen Gründen hier noch nicht berücksichtigen.

3) F. W. H. v. Tkkbua, Erfahrungen vom Innern der Gebirge, 1785. V. Brief, S. 98.

Eruptivgesteine und Tuffe bei Harzburg.

3

Feldspatflitschen vermengt . Das gleiche Gestein stellt LasiüS1) einige Jahre später in das Kapitel über »Serpentin und übrige viel Bittersalz enthaltende Gesteinsarten« und vergleicht es mit dein Serpentin von der Baste, von dem cs sich dadurch unterscheide, daß es »ohne alle glänzenden Einmischungen« sei. Das Gestein ist ein kontaktmetainorpher oberdevonischer Diabas.

Cur. Zimmermann bespricht 1834 in erster Linie die Erzlager vom Spitzenberg, von welchen es ihm zweifelhaft erscheint, ob -sie mit denen des eigentlichen »Grünsteinzuges« zu parallelisieren seien2); auch fiel ihm bereits der hohe Glimmergehalt des »Grünsteins« vom Breitenberge auf3).

Hausmann war der erste, der mit Sicherheit aussprach, daß die Diabasklippen am Wildenplatz »dem langen von Osterode über Altenau sich erstreckenden Zuge von Diabasmassen« zuzurechnen seien4); ferner deutete er die Gesteine des hinteren Schmalenberges als »Euphotidporphyr« und zog sie zur Gahbroformation, indem er sie als Übergangsglied von Gabbro und Diabas auffaßte3); auch J ASCHE betrachtete diese von ihm als »Variolit« bezeiehneten Gesteine als zum Gabbro gehörig.

Aus derselben Zeit stammen eine ganze Anzahl mineralogischer Arbeiten über unser Gebiet: so beschrieb ZiNCKEN7) aus dem »Horn¬ fels« des Ricfenbachtales gangartige Vorkommen von dichtem Granat, Kalk und Bitterspat, Feldspat mit Epidot und ein »strahligcs Fossil«, das er für »Serpentin mit Asbest« hält, ferner Nester von Kupferkies mit Kupfergrün und Kupferbraun.

Das »strahlige Fossil« wurde später von ZiNCKKN und Rammels- berg8) als ein neues Mineral gedeutet und mit dem Namen Epi- ehlorit belegt. Eine kurze Notiz von F. A. Römer gibt von dem gleichen Fundpunkt noch Albit und Natrolith an9).

*) Lasiüs, Beobachtungen über das H&vzgobirge. T., 1789. S. 1<>4.

a) Ciik. Zimmkhmann, Das Harzgebirge, b, S. 99.

3) Ebenda, S. 90.

4) Haüsmass, Bildung des Harzgebirges, 1842, S. 95.

5) 1. c., S. 95,

fi) Jascmr Dii1 Gobirgsform. in der Grafschaft Wernigerode, 1858, S. 7.

") Bericht des naturw, Vereins d. Harzes, 1844 45, S. 43.

n) Poci(ii:Nii our’a Annalen, Bd. 77, S. 237.

'•') Neuus Jahrb. f. Min. etc., 1848, S. G84.

1

4

0. TT. Eri>maxnsd5rffkr, Die devonischen

Ulrich beschrieb 1 8150 die Mineral Vorkommnisse des Kiefen¬ bachtales1): er erkannte den Tlornfels« Zinckens als »Grünstein« und hielt es für möglich, ihn mit dem Grftnsteinzug in Beziehung zu bringen; außer den schon angeführten Mineralien erwähnt er noch: Eisenglanz, Prelmit, Asbest, kristallinen Orthoklas.

Im Jahre 1862 erschien die Arbeit von Streng über den Gabbro des Harzes-), worin er den Nachweis führte, daß die Gesteine des hinteren Sehmalenberges, die er trotz ihres Orthoklas- gehaltos als Diabasporphyr bezeiehnete, nicht mit dem Gabbro in Zusammenhang gebracht werden dürften, sondern von ihm durch zwischenliegende Grauwacke getrennt seien; Kotii stellte, später die gleichen Gesteine unter einseitiger Betonung der mineralogischen und chemischen Ergebnisse der STUKNG schen Untersuchungen zur Minette3).

Dagegen wandte sich LOSSEN in seiner ersten Abhandlung über unser Gebiet4), in welcher er die von E. Kayskr am Schmalen¬ berg gesammelten und als »veränderter Diabas aus der Kontakt¬ zone« bezeiehneten Handstüeke petrographisch beschrieb und sie als kontaktmetamorphe devonische Syenit porphyre bezw. deren Tuffe deutete und auf ihre petrographischen Äquivalente in der Elbingeröder Gegend und am Polsterberg bei Altenau hinwies. Auch die Gliederung des ganzen Komplexes auf der »geognostischen Übersichtskarte« Lossens beruht, wie er selbst mitteilte-’), auf vor¬ läufigen, an einzelnen Mundstücken ausgeführten Untersuchungen.

Das Jahr 1882 bringt uns den ersten Versuch einer zusammen¬ hängenden geologischen Beschreibung unsres Gebietes aus Losskn's Feder in seinem Aufsatz: »Über den Zusammenhang von Falten, Spalten und Eruptivgesteinen im Harze«'’), in dem er seine im Ost- und Mittelharz gemachten Erfahrungen mit den Verhältnissen im West- und Oberharz in Einklang zu bringen sucht; er faßt

') Zeitschr. f. d. ges. Naturw. Halle, Bd. XVI, S. 234.

a) Neues Jahrb. f. Min. etc., I.sß2. S. 986.

3, Abhandl. d. Königl. Akad. d. Wissonseli. Berlin, 1869, S. 138.

4) Über metamorplinsierto Eruptiv- bezw. Tuffgesteine vom Schmalenberg bei Harzburg. Sitzgber. d. Gesellscli. naturf. Freunde. Berlin, 1880, S. I.

5) Dieses Jahrbuch für 1891, S. XXXIIT.

") Dieses Jahrbuch für 1881, S. 35.

Eruptivgesteine und Tuffe bei Harzburg.

0

den Spitzenbergzug als eigentliche Fortsetzung des Oberharzer Grünsteinzuges auf und versucht zugleich eine Gliederung der Eruptivinassen des Schmalenberges und Breitenberges durchzu¬ führen, indem er den Orthoklasgesteinen im allgemeinen das höchste, den »granatreichen Diabasgesteinen« als den Äquivalenten der »Blattersteinzone ; am Grünsteinzuge ein mittleres, und den häufig variolitähnlich ausgebildeten körnigen Diabasen das geringste Alter zuschrieb. Die geistreichen Spekulationen über die tektonischen Verhältnisse des Gebietes haben für uns im wesentlichen nur noch ein historisches Interesse.

Abgesehen von einer kurzen Notiz von Gkoddeck’s1) haben wir nur noch eine Anzahl LoSSEN scher Beobachtungen über unser Gebiet, die sich in seinen Aufnahmeberichten in diesem Jahrbuche finden. Er vergleicht darin die oberdevonischen Variolite des Grünsteinzugs mit denen des Breitenberges2) und gibt eine grolle Au zahl einzelner petrographischer und mineralogischer Notizen, u. a. über »Kontaktmetamorphe Augitorthophyrc« vom Wilhelms¬ blick, Diabashornfelse, »Amphibolite« und > glimmerreiche Gesteine, die im Extrem scheinbar quarzloscn Biotitglimmerschiefer mit Gra¬ nat« darstellen.

Wie schon die Lossen sehe Übersichtskarte zeigt, liegt unser Gebiet gänzlich im Bereich des Kontakthofes, der von dem Gabbro und den zahlreichen Gängen und stockartigen Massen des Oker¬ granites hervorgerufen worden Dt, und innerhalb dessen eine so erhebliche Umwandlung stattgefunden hat, daß in den Sediment¬ gesteinen nirgend mehr Fossilien erhalten geblieben sind. Die Gliederung dieser Hornfelsmassen mußte sich daher in erster Linie auf die petrographischen Verhältnisse, auf charakteristische Leit¬ gesteine und Schichten profile stützen, die einen Vergleich mit ähn¬ lichen. außerhalb des Kontakthofes liegenden Gebieten zuließen, welche durch ihre Versteinerungsführuug ihrer stratigraphischen Stellung nach sicher fixiert waren: dafür kamen, wie sich ans den vorhergehenden Zeilen ergibt, der Oberharzer Grünsteinzug und die Elbingeröder Gegend in Betracht.

') Abriß der Geoguosie des Uarzes II. Aufl., S. 102.

3) Bericht über Aufn. auf Bl. Harzburg, dieses Jahrbuch für 1889, S. XXX11.

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0. H. Ekdmaxnsdörffkk, Die devonischen

Um den geologischen Aufbau unserer Tuff- und Eruptivge¬ steinsmassen genauer kennen zu lernen, legen wir ein Profil vom »Wilhelmsblick« oberhalb des »Harzburger Hofes« quer über den Breitenberg bis zum Gläseekentul.

Der große Felsen, der den eigentlichen »Wilhelmsblick« bildet, sowie zahlreiche, an dem steilen Hang nach der Radau zu anstehende Klippen zeigen einen vorwiegend aus Tuffen und Mandelsteinen von verschiedener Beschaffenheit bestehenden Schichtenkomplex mit spär¬ lich eingeschalteten Kalken und Tonschiefern, der schwach nach W. einfällt und seiner Beschaffenheit nach nur mit der Blatterstein¬ zone des Grünsteinzuges. also dem oberen Mitteldevon, verglichen werden kann, wie das Lossen schon getan hat1). Im Liegenden dieser Gruppe, also am Hange des Radautals abwärts, stellen sich Bänke eines dichten, stellenweise hellgebändertcn , dunkelvioletten Tonschieferhorn leises ein, der die Blattersteinzone normal unterteuft, und darum, sowie wegen seiner petrographischen Ähnlichkeit mit den analogen Gesteinen im Granitkontakt des Okertales mit Sicher¬ heit als Ilornfels des Wissenbacher Schiefers gedeutet werden kann.

Geht man vom Wilhehnsblickfelsen aus nach W , also in das Hangende, so trifft man, die Blattersteinzone überlagernd, zu¬ nächst quarzitische Gesteine, die als umkristallisierte Culmkiesel- schiefer zu deuten sind, und darüber Culmgrauwacke; auf diese folgt dann oberdevonischer Diabas. Am linken Hang des Riefen¬ bachtales schieben sich zwischen Mitteldevon und Kieselschiefer an einzelnen Stellen noch violette, kalkreiche Hornfelse ein, die vielleicht als umgewandelte Cypridineuschiefer anfzufassen sind.

Die nunmehr nach Westen hin folgenden Diabase, die bald variolitische und damit zusammen meist schwach mandel¬ steinartige, bald rein körnige Struktur besitzen, nehmen den ganzen Rücken des Breitenberges ein und werden an dessen West¬ abhang von Culmkieselschiefcrn überlagert, wählend ihr Liegendes von Cypridinenschieferhornfelscn gebildet wird, die ihrerseits wieder an einer Stelle von oberem Mitteldevon unterteuft werden in der Ausbildung, welche diese Stufe am Wilhelmsblick besitzt. Diese

l) Dieses Jahrbuch für 1881, S. 35, Anm. 1.

Eruptivgesteine und Tuffe bei Harzburg.

7

stratigraphischen Verhältnisse am Bleichetal hat Lossen gleichfalls schon richtig erkannt1), mit Ausnahme der Cypridinenschiefer, die er als (Julmschiefer deutete.

Dieser ersten, vorwiegend also aus oberdevonischen Gesteinen aufgebauten Zone steht der /.weite, fast nur aus Mitteldevon beste¬ hende Tuff- und Eruptivgesteinskomplex gegenüber, d6r seine größte Breite auf dem hinteren Schmalenberg erreicht. Die geologische Spezialkartierung hat hier gezeigt, daß dieser Zug zum weitaus größten Teil aus jenen orthoklasftthrenden, glimmerreichen Gesteinen besteht, deren Deutung den älteren Beobachtern so viele Schwie¬ rigkeiten bereitet hatte, und die erst Lossen richtig beurteilen konnte. Meine Untersuchungen haben mir gezeigt, daß sie fast alle klastische Gesteine, und zwar Tuffe von Orthophyren sind, denen spärlich Orthophyrmandelsteine, körnige Orthophyre und Diabas- porphyrite eingeschaltet sind. Dazu kommen noch Hornfelse von Tonschiefern, die petrographiseh in nichts von den Ilornfelsen der Wissenbacher Schiefer abweichen. Die sehr mangelhaften Auf¬ schlüsse und die meist saigere Schichtenstellung erlaubten jedoch an keinem Orte die genaue Feststellung, ob diese Schiefer die OrthophyrtuÖ’e unterteufen, und somit muß immer noch die Möglich¬ keit im Auge behalten werden, daß sie auch Einlagerungen in den Tuffen, also vom Alter des oberen Mitteldevons sein können. An diesem Alter der Tutte selbst ist bei der petrographischen Aehn- liehkeit dieser Gesteine mit gewissen Abarten der »Blattersteinzone« vom Wilhelmsblick und mit dem orthoklasführenden Tuff vom Polsterberger Stölln bei Altenau nicht zu zweifeln.

Hiernach liegt also kein Grund vor, mit LOSSEN den Schmalen¬ bergstuffen ein höheres Alter wie denen vom Wilhelmsblick zuzu¬ schreiben.

Der Vollständigkeit wegen soll hier noch die Entwicklung des Culm gestreift werden, die in nichts von der normalen Ausbildung dieses Formatiousgliedes im Oberharz abweicht. Im Kontakthof wer¬ den, wie bekannt-), die Kieselschiefer zu hellfarbigen, zuckerkörnigen, seltener auch sehr grobkörnigen Quarziten. Die Posidouienschiefer

‘) Dieses Jahrbuch für 1901, S. XXV.

a) Lossen, Zeitsohr. d. Deutsch, geol. Ges. 1888, S. 591.

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0. H. Ekdm.vnnsdökpkkr, Die devonischen

zeigen die Umwandlung zu dem oordieritreichen , kolilsehwarzen »Kieselschieferfels« Hausmann s, wie ihn Koch näher beschrieben hat1), oder auch zu violettem Andalusithornfels, während die Grauwacken der »Wechsellagerung« und die »derben Culmgrau- wacken« äußerlich nur relativ geringe V eränderungen erkennen lassen.

Eine genaue Darstellung der tektonischen Verhältnisse würde über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen ; ebenso muß ich mir hier eine Darstellung der petrographischen Verhältnisse der Gesteine versagen, welche die Kontaktwirkungen hervorgebracht haben, um so mehr, als wir über diesen letzten Punkt Losskn eine Anzahl von Notizen2) verdanken, in denen er chemisch und mineralogisch diese z. T. Uborgangsglieder zwischen dem Gabbro und dem Granit darstellenden Gesteine beschreibt.

Es sei nur ganz allgemein darauf hingewiesen, daß die mittel¬ devonischen Schichten des hinteren Sehmalenberges zweifellos auf¬ geschoben sind auf die oberdevonischen Diabase sowohl, wie auch auf die Culmschichten in deren Hangendem: zweifelhaft sind je¬ doch die Verhältnisse an der Westgreuze der Breitenberger Dia¬ basmasse: während in dem Fortstreichen des S. b besprochenen Profils nach W. hin auf die Cypridinenschiefer normal wieder der Diabas und der Cu Im folgen, diese also den Kern eines Sattels bilden, finden wir an dem obern Bleichetal, wie der Streifen von Cypridinenschiefern immer schmäler wird und schließlich ganz ver¬ schwindet, so daß der Diabas des Breitenberges direkt an Culmton- schiefer stößt. Ob solche Erscheinungen, für die unser Gebiet, wie auch der eigentliche Grünsteinzug, noch eine Anzahl von Bei¬ spielen zeigt, in die Zeit der postculmischen Faltung oder der jüngeren Querstörungen zu verlegen sind, vermag ich nicht mit Sicherheit zu entscheiden.

J) Dieses Jahrbuch für 1888, S. LT1.

2J Dieses Jahrbuch für 1890, S. XXIII ff.

Eruptivgesteine und Tuffe bei Harzburg.

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II. Petrographischer Teil.

Das Brockenmassiv im weiteren Sinne gehört nach der Art und Weise seiner Kontaktwirkung bekanntlich zu denjenigen In- trusivmassen, welche die Tendenz haben, aus den normalen Ton¬ schiefern sofort Ilornfelse zu entwickeln; wenn auch kuotenf'iih- rende Schiefer nicht ganz fehlen, so sind sie doch so untergeord¬ net und meist auch so unscheinbar, daß eine Ausscheidung ver¬ schieden intensiv umgewandelter Zonen, wie sie am Ramberg im Ostharz, in Sachsen, in den Vogesen u. a. a. O. durchgetflhrt worden ist, hier unmöglich erscheint1). Es kommt für unser Gebiet noch der Umstand hinzu, daß die Umwandlung von einer großen An¬ zahl von Punkten aus in die Erscheinung getreten ist, nämlich von den zahlreichen Gängen und Stöcken des Okergranits, wie auch von dem eigentlichen Brockenmassiv, speziell dem Ilarzburger Gabbro. Wir können daher nur die von Lossen2) beobachtete Tatsache bestätigen, daß die Intensität der Metamorphose im großen und ganzen von SW. nach NO. hin zunimmt; besonders stark ist sie natürlich dort entwickelt, wo die Gesteine in direktem Primärkoutakt mit den eugranitisohen Tiefengesteinen stehen.

Wenn ich bei der speziellen Beschreibung unserer Gesteine und ihrer Umwandlungsvorgänge bei dem llaugenden beginne, so geschieht das, weil hier das Substrat der umgewandelten Gesteine einfacher zusammengesetzt und besser bekannt ist als das der aus mitteldevonischen Gesteinen hervorgegangenen Hornfelse, und weil gerade die Diabase eine Anzahl von Umwandlungserscheinungen besonders klar und deutlich zeigen.

*) Vergl. die Beobachtungen von M. Koch (dieses Jahrbuch f. 188G, S. XXXIV) und E. Kaysku (dieses Jahrbuch für 1881, S. 421). a) Dieses Jahrbuch für 1891, S. XXIII.

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0. H. Ekdmannsdökkkku, Die devonischen

A. Die oberdevonischen Diabase.

1. Körnige Diabase.

Makroskopisch erscheinen diese Gesteine von mittlerer Korn¬ größe; stets kann man entweder an einzelnen Feldspatleisten oder an Augitspaltflachen die Natur des einzelnen Stückes mit Sicher¬ heit erkennen, zumeist ist die typische divergentstrahlig-körnige Struktur deutlich sichtbar, ln andern Fällen sieht man nur einzelne bis 1 cm lange Augitprismen in einer fast dichten Grundmasse liegen, die au die LossEN’sche Beschreibung der Ramberger Diabashornfelse gemahnt, welche »wie getränkt mit einer feinkörnigen, härtenden, splittrigen Masse erscheinen«. Die Farbe ist entweder dunkelgraugrün, wie die eines normalen Diabases, oder häufiger noch dunkelviolettbraun, wie die eines glimmerreichen Hornfelses. Die meist sehr zähen und festen Ge¬ steine verwittern mit ganz charakteristisch narbiger Oberfläche, die durch die größere Widerstandsfähigkeit einzelner Mineralien und größerer Gesteinspartieen gegen die Atmosphärilien hervorgerufen wird.

Auch unter dem Mikroskop tritt die diabasisch-körnige Struktur dieser Gesteine noch an fast allen Stellen hervor, wenn sie auch durch das Überwuchern gewisser Neubildungen vielfach etwas verschleiert wird.

Der primäre Pyroxen des Diabases ist meist noch in zahl¬ reichen Individuen vorhanden, deren Länge nur selten 10 mm über¬ schreitet, in der Regel aber erheblich darunter bleibt. Er besitzt in den weitaus meisten Fällen die Eigenschaften des gewöhnlichen Diabasaugitos: bräunliche bis violette Farbe ohne erheblichen Pleo¬ chroismus, deutliche Dispersion und in den Schnitten senkrecht zur optischen Normalen eine Auslöschungsschiefe von c : c = 45°. Zonare Struktur ist häufig, jedoch meist nur sehr unvollkommen angedeutet, und auch typische Sanduhrstruktur fehlt nicht. All¬ gemein verbreitet ist in ihm eine nelkenbraune Bestäubung, die aus feinsten Blättchen oder Nädelchen, oft in zwei verschiedenen

Eruptivgesteine und Tuffe bei Harzburg,

11

Richtungen sich kreuzend, besteht1) und die sich mit Vorliebe in den rundlichen Teilen anhäuft; vielleicht ist sie auf Ilmenit- blättche n zu r üekz u führen ,

Zwillingsbildung nach (100) ist selten; in einzelnen Fällen kann sie auf Druckwirkung zurückgeführt werden: Ein Durch¬ schnitt, der durch einen solchen Pyroxen etwa parallel (010) gelegt war, zeigte eine Biegung der prismatischen Spaltrisse von etwa 34°, die allerdings nicht ganz bruchlos vor sich gegangen ist. Bei X Nikols sieht man eine pol) synthetische Zwillingsstreifung, welche diese Biegung mitmacht und deren einzelne bald breitere, bald schmälere Lamellen symmetrisch zur Zwillingsebene mit c:c = 46° auslöschen. Es dürfte hier eine Zwillingsbildung nach (100) in¬ folge des Druckes stattgefunden haben2).

In selteneren Fällen ist der primäre Pyroxen farblos; er zeigt daun auf Schnitten parallel zur Synum? triee bene eine Auslösch ungs- schiefe i:c=40°, steht also wohl dem Diopsid nahe.

Von Einschlüssen des primären Diabasaugites seien noch er¬ wähnt die Glaseinschlüsse; sie haben meist eine rundliche, auch lang gezogene schlauchförmige Gestalt und stoßen mit einem ziem¬ lich breiten Totalreflexionsrand gegen die Augitsubstanz ab; noch breiter ist der Rand der fast in allen vorhandenen, unbeweglichen Libelle. Sic sind rötlich gefärbt, isotrop und von geringer Licht¬ brechung.

Der Einfluß der Kontaktmetamorphose auf den Diabasaugit äußert sich in drei verschiedenen Formen*

1. In einer Umwandlung in kompakte, braune Hornblende,

2. in einer Umwandlung in faserige, schwach gefärbte Horn¬ blende,

3. in Neubildung von Pyroxen.

Von diesen drei Umwandlungsartcn kann jede für sich allein auftreten, oft jedoch beobachtet man zwei von ihnen in demselben Schliffe, ja an demselben Mineralindividuum nebeneinander.

Ein ausgezeichnetes Beispiel für die Umwandlung in braune Hornblende bietet das Gestein aus dem Forstort Stief-

') Vergl. Bhücigur, Spaltcnverw. i. d. Gegend Langesund-Skien. S. 353.

s) Vergl. hierüber: Hintze, Handbuch der Mineralogie II, S. 1019.

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0. H. Erdmannsdöritkr, Die devonischen

mutter am Fahrwege Harzburg Koinkcrhall; es liegt schon außerhalb des auf unserm Ubersichtskärtchen dargestellten Gebietes und ist von Lossen schon einmal kurz erwähnt worden1). Der Augit selbst ist entweder farblos, oder er zeigt eine eigenartige, braune Färbung, deren Ton auffallend ähnlich dem der neuge¬ bildeten Hornblende ist. (Siehe darüber auch S. 13*) Diese selbst ist wie gesagt kompakt oder höchstens breitblättrig oder -strahlig. Ihr Pleochroismus ist:

c = b > a

hellkastanienbraun hollgdbbraun.

Sie ist von dem primären Augit vielfach durch einen breiten Saum farbloser Epidotkörner getrennt, die keinerlei kristallogra- phische Begrenzung zeigen, sondern rundlich, unregelmäßig lappig, oft auch siebartig durchbrochen sind. Wo der Augit ganz verschwunden ist, liegt ein Aggregat solcher Epidotkörner inmitten der neu gebildeten Ilornblendeindividuen. Wir sehen bei diesem Vorgänge also, wie der Kalkgehalt des primären Diabasaugits im Epidot gebunden wird2), sowie eine offenbare Zufuhr von Eisen in das Neubildungsprodukt, obwohl die Verteilung der in der Horn¬ blende reichlich vorhandenen opaken Erzkörner nicht jene inter¬ essante Anordnung zeigt, wie sie Lossen aus Diabashornfelsen des Ramberges beschreibt3). Doch hat man wohl mit Sicherheit eine Mitwirkung des primären Eisenerzgehaltes des Diabases bei der Konstituierung der eisenreichen neuen Hornblende anzunehmen.

In den vorhergehenden Zeilen wurde schon einmal auf die eigentümliche braune Färbung hingewiesen, welche der Diabas- augit bei dieser Art der Umwandlung zeigt. In vorzüglicher Schönheit lässt sich diese Erscheinung in den Diabashornfelsen studieren, welche die großen Klippen am rechten LIfer des unteren Riefenbachtales, gleich oberhalb des Schießstandes, bilden. Im Schliffe sieht man hier die durch Neigung zur idiomorphen Aus¬ bildungausgezeichneten Augite, die sofort durch ihren sanduhrartigen

*) Dieses Jahrbuch für 1889, S. XXX ll.

Ros kn bu sc ii, Mikrosk. Physiogr. 1, 569.

3) Erläuterungen zu Bl. Harzgerode, S. 81, und dieses Jahrbuch für 1883, S. 632, Anm. 2.

Eruptivgesteine und Tuffe hei Harzburg.

13

Bau auffallen, der rein äußerlich durchaus dem gewisser Basalt- augite gleicht. Die von den terminalen Enden der säulenförmigen Kristalle ausgehenden Anwachskegel, deren Querschnitte die typische achteckige Gestalt eines Augitprismas haben, sind völlig farblos; Schnitte senkrecht zur optischen Normalen geben eine Auslöschungsschiefe: c : c = 38°. Die von den Flächen der Prismen¬ zone nach dem Zentrum hin sich verjüngenden Kegel besitzen die Färbung des genannten Augits von der »Stiefmutter« mit dem Pleochroismus :

c > fc > a

lichtgelbbraun hell gelbbraun sehr hellgelb

und zeigen ferner ebenso wie die farblosen Teile die typische Pyroxenspaltbarkeit; ihre Auslöschungsschiefe ist jedoch auf (010): c:c=32°, und ihre Doppelbrechung ist etwas niedriger als in jenen. Die Färbung kann zonar etwas wechseln oder nimmt nach dem Rande hin an Intensität zu; gleichzeitig hiermit nehmen Auslöschungsschiefe und Doppelbrechung ab.

Die Kombination der verschiedenen Durchschnitte gibt uns also die typische Form eines Sandubraugits, der jedoch in den dunkler gefärbten Teilen geringere Auslöschungsschiefe zeigt als in den farblosen Kegeln, während in normalen derartigen Augiten das umgekehrte Verhältnis herrscht1).

Zur Erklärung dieser eigentümlichen Erscheinung möchte ich zu¬ nächst darauf hinweisen, dass die Braunfärbung nicht als eine Pigmen¬ tierung aufgefaßt werden kann; selbst bei Anwendung des stärksten Immersionssystems hat man stets noch den Eindruck einer homo¬ genen Substanz. Ich möchte diese Färbung als eine Folgewirkung der Kontaktmetamorphose betrachten, die das erste Stadium zur Bildung der braunen Hornblende darstellt. Daß echte Sanduhr¬ struktur in unseren Gesteinen vorkommt, wurde bereits erwähnt: ich denke mir die Verhältnisse derart, daß die von den Prismen¬ flächen ausgehenden An wachskegel, die in dünnen Schliffen bei unveränderten Gesteinen nicht einmal immer hervorzutreten brauchen,

') Blum men, Über die sogen. Sandubrform der Augite. Tschermak s min. u. petr. Milt. XIII, 1893, S. 239.

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0. H. Erdmaxnsdöhffkr, Die devonischen

aus einer Pyroxensubstanz bestanden, die der Umwandlung in Hornblende leichter zugänglich war als die diopsidische der Ter¬ minalkegel. Nimmt man an, dal.» ein Teil der Moleküle dieser Prismenanvvachskegel infolge der Kontaktwirkung in Hornblende nmeelagert worden sei, so wäre der braune Ton, die Abnahme der Auslöschungsschiefe und der Doppelbrechung erklärt. Ich betone nochmals, daß die Erscheinung lediglich von diesen mole¬ kularen Verhältnissen der An wachskegel sich abhängig erweist und ganz scharf und deutlich von solchen Um wand lungs Vorgängen zu trennen ist, welche von Spaltrissen oder zufälligen Sprüngen aus in Tätigkeit getreten sind.

Hei der sekundären, braunen Hornblende in den Gesteinen des nordwestlichen ßreiteuberges nach dem Bleichetal zu waren derartige Erscheinungen nicht nachzuweisen; sie besitzt hier viel¬ fach einen mehr ins grünlichp gehenden Ton:

C > b )> a

braungrün grünbraun hellgelbbraun,

doch wechseln Intensität und Farbenton sehr oft, auch am gleichen Individuum. Bisweilen enthält die braune Hornblende auch Lappen eines grasgrünen Amphibols umschlossen.

Die Umwandlung zu faseriger Hornblende. Sie trifft man besonders häufig in den Diabasen des mittleren Breitenberges bis zum Wildenhagen hin. Als typisches Beispiel sei der Diabas beschrieben, der die Klippen auf dem höchsten Punkte des Forst¬ bezirks 82 bildet. Der meist farblose, nur selten grauviolette Augitkern, mit der Auslöschungsschiefe von c:c=40°, wird umrahmt von einem Kranz eines feinfaserigen Amphibols, dessen optische Axe c um 18° gegen die Faserrichtung geneigt ist, und zwar gleichsinnig mit dem c des Augits. Das entspricht den normalen Verhältnissen der Uralitbildung. wobei (001) des Augits gleichsinnig mit (101) der Hornblende zu liegen kommt1).

Der Uralit besitzt einen schwachen Stich ins bräunliche in den stärker absorbierten Strahlen, während a völlig farblos ist. Das Schema ist also: c b a. Auffallend ist hierbei die

') Roskxbusch, Mikrossk. Physlogr., III. Auf!., I, S. 5ß9.

Eruptivgesteine und Tuffe bei Harzburg.

bräunliche Färbung des Neubildungsproduktes, da für den Uralit meist die grüne Farbe als charakteristisch angegeben wird1). Es sei jedoch bemerkt, daß auch in unsern Gesteinen grüner Uralit vorkommt (z. B. am Wildenhagen), noch häufiger aber jene gänzlich farblose oder höchstens ganz schwach grün gefärbe Horn¬ blende, die offenbar auch im Kontakthofe des Ramberggranits eine große Rolle spielt und von LOSSEN mehrfach als »aktinolitisch« bezeichnet wurde. Jene intensiv grüne Hornblende, wie sie am Hamberg so häufig ist, fehlt indeß hier gänzlich.

I)ie Umwandlung des I) iabasaugits in sekundäre Mineralien der Pyroxengr tippe ist ein in unsern Gesteinen sehr verbreiteter Vorgang, vielleicht der häufigste von den drei verschiedenen Arten, umsomehr als er besonders oft mit den beiden andern zusammen auftritt.

Es seien einige besonders typische Fälle beschrieben:

Ein vorzüglicher Repräsentant dieser Umwandlungsart ist das mit mitteldevonischen Orthophyrtufteu vergesellschaftete, durch ein¬ zelne größere Plagioklasindividuen diabasporphyritartige Gestein, das im Grunde des Riefenbaches, gleich oberhalb der Gabbro- grenze, am Wege ansteht 2), und das wegen der Analogie seiner Um Wandlungserscheinungen mit denen der oberdevonischen Gesteine schon hier beschrieben werden soll.

Die Leisten des primären Feldspats, (nach seiner Maximal- auslöschung von 28, b0 in Schnitten X IV1 als Labrador bestimmt) bilden das normale, divergentstrahlige Netzwerk; seine Maschen füllt ein Gemenge von vorherrschendem farblosem monoklinem Augit in sehr mannigfach gestalteten rundliehen oder gestreckten Körnchen, mit dunkelbraunem, stark pleochroitischem Biotit und opaken Körnern oder Leisten eines Eisenerzes, wozu farblose, wasserklare, ungestreifte Körnchen eines Feldspates3) und spärlich eine in braunen Tönen durchsichtige Hornblende treten.

') Ro.si_Nne.seu, Mikrosk. Phy.siogr.. III. Auf!., 1, S. 569. Dock erwähnt auch Team. (British Petrography, S. 235). ■*u pule brown uralite«.

a) Auf dem Üborsichtskftrtchon S. 2 ist dieses Vorkommen mit der Signatur des oberdovonisehon Diabases angegeben.

3) Über die Natur des Feldspates vergl. S. 21.

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Diese Art der Zerlegung ist, wie gesagt, auch in den ober¬ devonischen Diabashornfelsen äußerst verbreitet. Die Tendenz bei der Umkristallisation des Diabasaugits durch die Kontakt¬ wirkung war also darauf gerichtet, seinen Kalk- und Magnesia¬ gehalt im Diopsid (bezw. einen Teil des letzteren wohl auch im Biotit), den A^Os-Gehalt im Biotit, und den Eisen- und Titangehalt zum kleinen Teil in diesem, zum großem Teil in den Eisenerzen anzureichern, die nach ihrem Verhalten gegen HCl teils Magnetit-, teils Titaneisen sind.

Die im ganzen Gestein verstreuten Augitkörnchen sind eine für derart umgewandelte Diabase außerordentlich charakteristische Erscheinung. Ihre Dimensionen können äußerst gering werden, sodaß sie wie ein feiuer Staub das Innere der Feldspatleisten trüben, der nur durch starke Vergrößerung seiner Natur nach erkannt werden kann. Dabei erleichtert ihre Bestimmung der Umstand, daß sie vielfach grade in diesen winzigen Dimensionen deutlich säulen¬ förmig sind, sodaß man ihre Gestalt und ihre bis 45° betragende Auslöschungsschiefe genau bestimmen kann. Ich hebe das besonders hervor, um der Vermutung, daß es sich hierbei um sekundär aus dem Feldspat entstandenen Zoisit oder Epidot handeln könne, ent- gegeuzutreten ').

Etwas anders stellt sich eine Art der Umwandlung dar, wie sie z. B. in dem Diabas zu beobachten ist, der die Klippen an der Kreuzung des Reimersweges mit dem Salzstieg auf dem nordöst¬ lichen Breitenberg bildet.

Die nebenstehende Figur zeigt diesen Vorgang deutlich:

In der Mitte sehen wir zwei Partieen eines intensiv violett- grau gefärbten Diabasaugits, der nach dem Rande hin allmälig farblos wird, wobei die optische Orientierung völlig gleich bleibt. Nun folgt eine scharfe Grenze, jenseits welcher sich an den farb¬ losen, gelegentlich auch an den bis zu dieser Grenze heranrei¬ chenden farbigen Augit, in ebenfalls gleicher optischer Orientierung ein diinnstengeliger bis fast faseriger, farbloser Pyroxen ansetzt, untermischt mit Erz- und Biotitpartikeln. Büschel dieses neu-

*) Vergl, auch S. 21.

Eruptivgesteine und Tuffe bei Harzhurg.

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gebildeten Pyroxens finden sich neben den schon bekannten » Amdt- körnchen« im ganzen Gestein zerstreut.

Umwandlung von Diabas- augit in sekundären Pyroxen im Diabasbornfels vom nordöst¬ lichen ßroitenberg.

a violettgrauer Diabasaugit, b farblose Zone desselben, c neugobildeter stengeliger Pyroxen,

d neugebildeter Biotit, e Eisenerz.

Bei dieser Art der Umwandlung tritt gelegentlich noch eine andere auffällige Erscheinung auf: zwischen die neugebildeten Augitleisten schieben sich Blätter von Museovit (Paragonit?) der¬ art ein, da 1.1 ihre Spaltflächen der prismatischen Spaltbarkeit des Augits parallel liegen. Dieser Museovit, der schwachen Pleochro¬ ismus zeigt, kann an Menge sehr hervortreten: es finden sich der¬ artige Verwachsungen, in denen man nur noch einzelne parallel orientierte Stengel von Augit in einem anscheinend einzigen Mus- rovitindividuum findet. Da diese Bildungsweise zeigt, daß der Museovit gleichzeitig mit dem Pyroxen entstanden ist, müssen wir annehmen, daß der Glimmer durch die Kontaktmetamorphose und zwar wahrscheinlich ans dem primären Feldspat entstanden sei. Ich komme hierauf späterhin noch einmal zurück.

Solche orientierten Verwachsungen von Pyroxen und Glimmer sind indessen nicht allzuhäufig, meist bilden beide ein wirrgelagertes Aggregat von Kornern und Leistehen: auch ein hellgefärbter Biotit kann hinzukommen.

Jnlirbuch 190).

IS

0. H. Eri>man.n3döufpkk, Die devonischen

Es wurde oben schon darauf hingowiosen, dal.* gelegentlich die Umwandlung in Uralit neben der in sekundären Pyroxen am gleichen Individuum Vorkommen kann. In einzelnen solcher Fälle sieht man nun, wie die faserige Hornblende in der bekannten Weise sich an die terminalen Enden der Primäraugite ansetzt, während die sekundären Pyroxene in Form kurzer Lcistchen sich auf den Prismenfläehen , senkrecht auf den wie angefressen aussehenden Diabasaugitrand aufsetzen, vermengt, wie stets, mit Erz und Biotit.

Es ist jedoch keineswegs gesagt, daß die Verhältnisse immer gerade so liegen müssen, die Umwandlung kann auch ohne erkenn¬ bare Gesetzmäßigkeit vor sich gehen.

Doch nicht nur der monokline Pyroxen, wie er oben beschrieben, tritt als Neubildungsprodukt auf. Man beobachtet vielmehr in einzelnen Augitdurchsehnitten nach (010), daß, wenn man die sekundären Fasern und Leisten von Augit zwischen gekreuzten Nikols auf dunkel einstellt, eine ganze Anzahl von ihnen hell bleibt und erst bei Parallclstellung mit dem Fadenkreuz dunkel wird. Die Lichtbrechung dieses gleichfalls farblbsen Minerals weicht nicht erheblich von dem der schief auslöschenden Strahlen ab, die Doppelbrechung dagegen ist beträchtlich niedriger, und seine Interferenzfarben gehen höchstens bis zum hellgrau I. Ord. Die Längsaxe ist Minimum der optischen Elastizität und erscheint stets deutlich gefasert. Danach gehören diese Neubildungsprodukte dem Enstatit an. Auch seine Leisten finden sich wie die des monoklinen Pyroxeus im ganzen Gestein einzeln zerstreut. In den neugebildeten Kränzen um die Diabasaugite können sie oft erheblich vorherrschen und den monoklinen Augit fast ganz verdrängen.

Auffällig ist eine Anhäufung der Enstatitnadeln und Prismen in der Nähe der Feldspatleisten, in welche sie auch oftmals von allen Seiten hineinwachsen. Das gleiche ist, wie an dieser Stelle mit erwähnt sei, auch an solchen Stellen der Fall, wo der Diabas Quarz enthält; es kann bei diesem Vorkommen nicht immer mit Sicherheit entschieden werden, oh dieser primär oder sekundär ist, oder ob sein Auftreten fremden Einschlüssen zu verdanken ist: letz¬ teres scheint nur in einzelnen Fällen, wo die Menge des iu vortreff¬ lich entwickelter Pflasterstruktur vorhandenen Quarzes für einen

Eruptivgesteine uud Tufi’o bei llarzburg.

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Diabas zu grob ist, angenommen worden zu müssen. Auch hier rax-eu also, wie erwähnt, von allen Seiten die Nadeln und Leistchon des Enstatits spießartig in die Quarzmassr hinein. Wo sie besonders dicht gedrängt sind, fühlt man sich an die bekannten Aureolen von Augitkörnchen erinnert, welche um Quarzfremdlinge in Lainpro- phyren eine so verbreitete Erscheinung sind.

Auch späterhin bei der Besprechung der mitteldevonischen Hornfelse unsres Gebietes werde ich Gelegenheit haben auf ähn¬ liche Verhältnisse hinzu weisen.

Schließlich seien hier noch die Glaseinschlüsse der nou- gebildeten Pyroxeue erwähnt. Sie besitzen liier zum Unterschied von denen des primären Augits stets k ristallographisch begrenzte Formen; meist sind sie etwas gestreckt, und ihre Längsaxe steht dann parallel der Prismenaxe des Augits. Sie sind farblos oder gelblich gefärbt und enthalten sehr oft eine unbewegliche Libelle. Die Verteilung der Einschlüsse im Augit ist in ganz eigentüm¬ licher Weise an gewisse Linien bezw. Flächen gebunden, die in mannigfacher, anscheinend ganz regelloser Weise wellig hin und hergebogen die Kristalle durchziehen, unbeschadet der kristallo¬ grapbisch orientierten Stellung der einzelnen Glaseinschlüsse.

Sekundär durch Kontaktwirkung entstandene Glaseinschlüsse be¬ schreiben auch Becke L und SäLOMON2), welcher zugleich eine Erklärung des Phänomens gibt. Es stimmt mit den Beobachtungen dieser Forscher vortrefflich überein, dab auch in unsern harzer Gesteinen diese sekundären Glaseiuschlüsse an kalkreiche Silikat«* gebunden sind. (Vergl. auch S. 3*2).

Wir gehen nunmehr über zur Besprechung des zweiten Haupt- gemengteiles unserer Diabase, des Plagioklas, und seiner Uin- wan d 1 un gs vo r gän ge. Wie bereits am Eingänge dieser Arbeit erwähnt, sind die primären Leisten dieses Minerals fast stets noch zu erkennen; Ausnahmen kommen besonders da vor, wo der Diahasaugit in faserige Hornblende umgewandelt wird, die oft auch den Feldspat bis zum völligen Verschwinden überwuchert.

') Glase in Schlüsse in Kontaktmin-rulien von Canzacoli bei Predazzo. Tsc-hkrm. rain. und petr. Mitt,, 188-, S. 174.

a) Über einige Einschlüsse metamorpher Gesteine im Tonalit. Neues Jahr¬ buch f. Min. etc., Blg.-Bd. 7, S. 483.

2*

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0. H. Ekd.mannsdörffku, Die devonischen

Von Zwillingsgesetzen tritt in erster Linie das Albitgesetz auf, jedoch zeigt sieh vielfach eine Eigentümlichkeit in seiner Aus¬ bildung, die hei normalen Diabasen nicht vorhanden ist: Die Albitstreifung ist nämlich fast stets nur sehr schwach sichtbar, ja sie kann ganz verschwinden. Die Grenzen zwischen den einzelnen Lamellen sind zwar scharf, doch die Unterschiede in den Polari¬ sationsfarben bei jeder Stellung des Durchschnittes zu den Nikols sehr gering, und wenn sie ganz fehlen, glaubt man ein einfaches Individuum, oder, was sehr häufig ist. einen Karlsbader Zwilling von ungestreiftem Feldspat vor sich zu haben. Ich glaube diese Erscheinung auf molekulare Umlagerungen im Plagioklas zurüek- ffthren zu müssen, bediugt durch die Kontakteinwirkung, und sehe eine gewisse Bestätigung für diese Annahme in dem Umstand, daß auch die neugebildeten Feldspatkörner (Siehe S. 21) nur selten Zwillingslamellierung aufweisen.

Selten sind Lamellen, die auf das Periklingesetz bezogen werden können.

Was die Zusammensetzung der Plagioklase betrifft, so habe ich darüber eine ganze Anzahl von Beobachtungen angestellt, von denen einige hier angeführt werden mögen:

ö o o

1. Plagioklas aus dem Diabas an der Kreuzung von Salzstieg und Reimersweg:

Die symmetrisch auslöschenden Albitlamellen ergeben im Maxi¬ mum eiue Auslöschungsschiefe von 40°; in einem Schnitt _Lc be¬ trägt sie 34°. Daraus ergibt sich, daß der Plagioklas ein Labra¬ dor- Bytownit ist, noch etwas basischer als AbgA^.

2. Plagioklas aus dem Diabas des nordöstlichen Breitonbergs, Forstabteilung 86/87. Maximale Auslöschungsschiefe XM:36°.

Konjugierte Auslöschungsschiefen eines Karlsbader Zwillings:

\ 1 14° \ 2 40°

l r i7° 1 2' ?

Daraus läßt sich auf einen Plagioklas schließen, dessen Zu¬ sammensetzung sehr nahezu Ab^ A114 ist.

3. Plagioklas eines Diabases vom mittleren Breitenberg, Forst¬ abteilung 90. Konjugierte Auslöschungsschiefen eines Karlsbader Zwillings:

Eruptivgesteine und Tuffe bei Harzburg.

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^ 1 17° \ 2 36°

( 1' 16° l 2’ 37°

Maximalauslöschungsschiefe _LM = 38°. Auch hieraus zeigt es sich, daß der Plagioklas etwa dem Werte AbgAn* entspricht.

Es scheint also, daß die Kalknatronfeldspätc unserer Ober- devondiabasc durch eine sehr konstante. Zusammensetzung, die eines sehr kalkreichen Labradors, ausgezeichnet sind, worauf auch noch zahlreiche andere, hier nicht mit angeführte Messungen, be¬ sonders der Maximalauslöschung in Schnitten JLIV1, hinweisen.

Die Anwesenheit von Kalifeldspat hat mit absoluter Sicher¬ heit nicht nachgewiesen werden können, doch deuten mehrfach beobachtete, durch völligen Mangel an Zwillingsstreifung neben geringem Lichtbrechungsvermögen (< Kanadabalsam) ausgezeich¬ nete Schnitte darauf hin, umsomehr, als an solchen Schnitten, die eine Auslöschungsschiefe von etwa gegen eine sehr gute Spalt¬ barkeit zeigten, eine, positive Bisektrix zentral austrat. Immerhin wäre nicht ausgeschlossen, daß es sich dabei um einen Oligoklas handelt, doch erscheint mir das wenig wahrscheinlich.

Die Umwandlung des Plagioklases durch die Kon¬ taktmetamorphose nimmt einen wesentlich einfacheren Verlauf als die des Diabasaugits, ist aber deswegen von besonderem Inter¬ esse, weil sie sich in unseren Gesteinen ganz anders vollzieht, als man es mehrfach von Diabasen angegeben findet.

Es zeigt sich, daß entweder einzelne Teile einer Feldspatleiste oder bei stärkerer Umwandlung auch ganze Plagioklasindividuen zerfallen in ein oft typische Pflasterstruktur zeigendes Aggregat von Feldspatkörnern. Diese Körnerbildung kann vom Rande der Leisten aus beginnen, sie kann auch in ihrem Innern ihren An¬ fang nehmen, das scheint ohne bestimmte Regel vor sich zu